Klaus Weise verstorben
Am 14. Mai 2019 ist Prof. Klaus Weise, ehemaliger Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie, und langjähriges Mitglied und Vorstand des Durchblicks verstorben. Zu einer kleinen Feier zu seinem 90. Geburtstag war Klaus Weise noch einmal in den Durchblick gekommen. Es gab Kaffee und Torte und eine Laudatio von Christine Stumpe.

Aus Anlass seines Geburtstags hat Rosi Hasse für die Zeitschrift „Soziale Psychiatrie“ eine Würdigung geschrieben, die auch sein Vermächtnis für eine Psychiatrie ohne Zwang und mit offenen Türen enthält. Klaus Weise hatte es nach seiner Emeritierung als persönlichen Gewinn empfunden, die Position der Psychiatrieerfahrenen kennenzulernen und sie ermutigt, ihre Stimme in der Psychiatrie und Politik zu erheben. Wir trauern mit seiner Familie und danken Klaus Weise für sein Engagement für eine humane Psychiatrie.

Thomas Müller

Von der anderen Seite der Barrikade
Danach befragt, wie er denn seinen 90. Geburtstag zu feiern gedenke, meinte Klaus Weise: »Da gibt es nichts zu feiern …« Es war nie seine Art, sich feiern und ehren zu lassen, und es schien ihm eher peinlich zu sein, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

 
Dass sich die aufmüpfige Leipziger Psychiatrieerfahrenenszene überhaupt entwickeln konnte, hatte auch viel mit dem von Klaus Weise geprägten Klima in der damaligen Unipsychiatrie zu tun. Durch sein lehrendes Vorbild erwuchs eine ganze Generation von Psychiaterinnen und Psychiatern, die psychische Krankheiten eben nicht als Stoffwechselstörung sahen und immer auch die sozialen Ursachen seelischen Leidens beachteten.

Er sah die Notwendigkeit des Miteinanders von Patienten, Angehörigen und Therapeuten und warb auch um Verständnis für das pflegerische Personal. »Ohne Zusammenarbeit werden wir keine weitere Verbesserung für die Patienten erreichen können.«

Den Hinweis, dass man so einen Geburtstag nutzen könne, um Wünsche an seine Mitmenschen, Freunde und vor allem Kollegen heranzutragen, griff er aber auf und sagte: »Ich wünsche mir sehr, dass endlich unsere Forderung, die ja seit Jahrzehnten besteht, durchgesetzt wird: eine Psychiatrie ohne Zwang, eine Psychiatrie mit offenen Türen.«

Rosi Haase


09.06.2019