Seit 1997 werden in Leipzig monatlich Psychoseseminare veranstaltet.

»Das Psychoseseminar bietet Raum und Möglichkeit für Psychiatrieerfahrene, Professionelle, Angehörige und Interessierte, Erfahrungen auszutauschen, Vorurteile abzubauen und neuen Erkenntnissen einen Platz zu geben. Ziel ist es, ein besseres Verständnis füreinander zu gewinnen und einen guten zwischenmenschlichen Umgang zu fördern. Angestrebt wird eine offene, ehrliche und zwanglose Atmosphäre der Verständigung, des Respekts vor dem Gegenüber sowie der Ermutigung zur Übernahme der Verantwortung für sich selbst und des gemeinsamen Lernens. Daraus können neue Umgangsformen der verschiedenen Gruppen untereinander entstehen, die Anerkennung, Dialog und Trialog ermöglichen. Jede/r der Anwesenden ist Experte/in ihrer Erfahrungen und das, was er/sie darüber zu erzählen hat, soll Gehör finden.« (Flyer)
Die Leipziger Psychoseseminare finden neun Mal im Jahr statt und werden vom Gesundheitsamt der Stadt (Psychiatriekoordinator Thomas Seyde) und dem Durchblick gemeinsam organisiert.

Interview mit Thomas Seyde (Psychiatriekoordinator der Stadt Leipzig) zum Thema

Erfahrungsbericht

Ich halte die Einladung mit dem Programm für die kommenden Monate in den Händen. Die Themen sind vielfältig. Aber was ist ein Psychoseseminar? Es hört sich an wie eine Lehrveranstaltung an der Hochschule. Im Seminar wird in der Gruppe unter Leitung eines Dozenten der Vorlesungsstoff durchgearbeitet. Dieses Psychoseseminar ist keine Lehrveranstaltung. Es ist ein Trialog. Ein Gespräch also zwischen 3 teilnehmenden Gruppen.

Die erste Gruppe: Leute, die in einer psychischen Krise sind, die eine psychische Erkrankung haben, die in psychiatrischer Behandlung sind.
Die zweite Gruppe: Deren Angehörige.
Die dritte Gruppe: Leute, die in der Psychiatrie arbeiten.

Einmal im Monat treffen sie sich. Sie sitzen im Kreis und wollen über das anstehende Thema sprechen. Zwei Moderatoren koordinieren die Reihenfolge der Wortmeldungen. Die Leute berichten von ihren Erfahrungen, wie sie umgehen mit ihrer Situation. „Jetzt“, sagen sie „tue ich dieses und jenes…“. „Jetzt habe ich gelernt, das…“. Manche haben also einen Weg gefunden, der sie zu Ruhe und Zufriedenheit führte. Andere nicht. Ein junger Mann sagte es würde ihm zuviel, er stand auf, verließ den Raum und die Veranstaltung. Das wird akzeptiert. Ebenso wird akzeptiert, wenn sich jemand gar nicht zu Wort meldet. Man kann ins Psychoseseminar kommen und auch nur zuhören. Die Angehörigen in der Runde wollen verstehen, sie wollen den ihnen nahe stehenden Menschen helfen. Hier finden sie andere Angehörige und können sich austauschen. 

Und alle stellen Fragen an die zum Thema eingeladenen Experten. Deutlich wird es dann. Konkret. Aufregung liegt in der Luft. Die Experten schildern ihre Sicht zum Thema. Sie berichten von ihren Behandlungsmethoden, ihren Erfolgen und ihren offenen Fragen. Es gibt also kein feststehendes Modell das besagt: tu dies und das und dann ist alles gut. Vielmehr geht jeder seinen Weg. Mein Weg führte mich in das Psychoseseminar. Mit Interesse verfolgte ich die Schilderungen aller Beteiligten. Und so, wie der beste Teil einer Party oft später in der Küche stattfindet, so kann auch die Pause oder der Heimweg zum besten Teil werden. Bei mir stellte sich auf dem Heimweg eine Beruhigung ein, ein Gefühl, nicht allein zu sein. Es gibt Leute die Beistand leisten, es gibt Hilfe. Und so werde ich wieder hingehen, zum Psychoseseminar.


Ab September finden wieder Psychoseseminare statt. Die Teilnehmerzahl ist, entsprechend der unterschiedlichen Raumgrößen, limitiert. Die Anmeldung ist ab 1. September an folgende E-Mail Adresse möglich: thomas.seyde@leipzig.de.  Das Psychoseseminar findet wieder in der Volkshochschule Leipzig, Löhrstraße 3-7, 04105 Leipzig, statt.

Termine:
07.09.: Raum 333
05.10.: Aula
02.11.: Raum 333
07.12.: Raum 502
04.01.: Aula

Die einzelnen Themen werden rechtzeitig bekannt gegeben.


19. 08. 2020