Besonders in den 90er Jahren mischte sich der Durchblick aktiv in die Psychiatriepolitik in Sachsen ein. Die Basis dafür legte die Basisgruppe Psychiatriebetroffene im Neuen Forum, die Angang 1990 die Vorwürfe gegen die Zustände in der Nervenklinik Waldheim in die Öffentlichkeit brachte. Zu den von der Gruppe initiierten Hearings zum Missbrauch und den Missständen in der Psychiatrie wurden Vertreter der Politik eingeladen.

Am 4. Februar1991 wandte sich die Vorsitzende des Durchblick e.V., Giesela Riedel, mit einer Eingabe an den Sächsischen Staatsminister Dr. Geisler. In dem Schreiben hieß es: »Wir fordern ein Mitsprache- und Beratungsrecht 1. bei der Erstellung eines Planes zur Humanisierung der Psychiatrie und 2. bei der Erstellung eines Psychiatriegesetzes für das Bundesland Sachsen, um die nach der ›Wende‹ durch den Einigungsvertrag erstmals und neu für die Ex-DDR entstandene echte Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäußerung und Gestaltung der rechtsstaatlichen, demokratischen Gesellschaft realisieren und durchsetzen zu helfen. Wir bitten um Mitteilung, wie wir uns einbringen können.«

Im Juli 1991 beteiligte sich der Durchblick e.V. an den Protesten zur geplanten Verlegung der Tagesklinik der Unipsychiatrie aus dem Bettenhaus des Klinikums mit dem Leitspruch »Eh´ sie uns versetzen, werden wir besetzen.«

Am 6. November1991 übergaben Rosi Haase (Durchblick e.V.) und Ulrich Kießling (Sprecher der Sächsischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie) dem Sächsischen Gesundheitsminister ein Positionspapier zum Maßregelvollzug in Sachsen, in dem u.a. die anhaltenden unwürdigen Bedingungen in der psychiatrischen Klinik Waldheim kritisiert, eine Überprüfung des Personals und eine Neuorganisation des Maßregelvollzugs in Sachsen unter Einbeziehung von Betroffenen und Angehörigen gefordert wurden.

Der Durchblick positioniert sich bis heute zu Gesetzesvorhaben in Sachsen und setzt sich in Gremien wie dem Psychiatriebeirat der Stadt Leipzig für die Interessen der Psychiatriebetroffenen ein.


14.08.2020