Peer kommt aus dem Englischen und bedeutet „Gleichgestellter“, „Ebenbürtiger“. Der Begriff wird in der Psychiatrie aber auch bei anderen Gruppen wie z. B Jugendlichen, verwendet und bedeutet Experte durch Wissen, durch Erfahrung. Das steht im gewissen Sinne im Gegensatz zu sogenannten professionelle Arbeit. Der professionell Arbeitende hat sein Wissen durch Studium erworben, nicht unbedingt durch eigene Erfahrung. Deshalb kann es wertvoll sein z.B. eine Psychose durchgemacht zu haben um dann nachfolgend mit Menschen zu arbeiten, die psychotisch sind oder auch ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist etwas anderes wenn ich von Innen heraus weiß was eine Psychose ist oder mein Wissen theoretisch erworben habe. Der Unterschied ist, dass jemand mit Psychose Erfahrung eine viel tiefere Empathie und Verständnis entwickeln kann für einen Menschen der eine Lebenskrise durchmacht, dadurch , dass er selbst eine Psychose durchmacht, die das vorherige Leben komplett auf dem Kopf stellt und ihn gehörig aus der Bahn wirft, denn nichts in der Psychose ist was es zu sein scheint, alles ist vieldeutig, symbolisch und komplex. Denn es ist als ob eine Tür aufgeht in einer fremdartigen anderen Welt und die Wirklichkeit wird anders wahrgenommen.

Was sonst für das normale Bewusstsein verborgen bleibt, z.B. wie das Blut durch meine Adern fließt rückt plötzlich in die Mitte meines Interesses und ich spüre wie eine universelle Energie in meinem Blut pulsiert. Das normale Bewusstsein erweitert sich und ich erlebe eine andere Dimension der Wirklichkeit. Diejenigen, die im Alltagsbewusstsein mehr oder weniger gefangen sind können sich kaum vorstellen, dass es viele andere Wirklichkeiten und Bewusstseinszustände gibt. Und nach meiner Meinung ist eine Psychose der Ausblick in einer anderen Seins Zustand und hat durchaus eine spirituelle Dimension. Ich würde behaupten, dass ein Betroffener durchaus Einblicke in diese andere Wirklichkeiten hat und Menschen mit psychischen Abnormitäten dadurch besser annehmen und verstehen kann, als jemand, der die diese Einblicke nicht hat. Dieses gewisse anders sein welches Peer und Betroffene verbindet schafft ein unmittelbares Vertrauen. Es sorgt dafür, dass sich der Betroffene sich leichter öffnet und über seine Nöte und Bedürfnisse spricht. Dieses sich Öffnen und sich Offenbaren in Vertrauen kann der Anfang eines Heilprozesses sein.

Willem van der Haak